3. Juni 2020 | | 1 Kommentar

Tobias: „Rechtzeitig Gedanken über Alternativen machen“ – Teil 2 Studium der Informatik an der Ostfalia in Wolfenbüttel, zuvor TU Braunschweig

Wald
Bildnachweis: privat

[Fortsetzung von vor 14 Tagen]

In der nächsten Zeit war ich in regelmäßigem Austausch mit den Wegbereitern und nahm auch noch an einem Berufsprofiling-Potenzialanalysetest mit Unterstützung des Rotary Club Braunschweig-Hanse teil, um noch einmal eine bessere Übersicht über meine Stärken zu bekommen und ggf. noch neue Ideen für passende Ausbildungs- oder Studiengänge zu bekommen. Außerdem bekam ich die Möglichkeit, diese Ergebnisse mit einem der Rotarier durchzusprechen. Dieser ermöglichte mir auch nochmal eine andere, wesentlich kritischere Betrachtung aller Optionen, da er nahezu alles nochmal hinterfragte, mich jedoch damit gut zum Nachdenken anregte.

Als Optionen blieben am Ende der Einstieg in die Feuerwehr, die Weiterführung des Studiums in der Wirtschaftsinformatik mit Anrechnung von ca. 50% der Leistungen oder der Wechsel an eine Fachhochschule, sofern ich dort mehr Leistungen angerechnet bekomme. Eine weitere für mich neue Option war es, die Möglichkeit prüfen zu lassen, dass ich aufgrund der praktischen Erfahrungen als Werkstudent direkt zu einer Prüfung zum Fachinformatiker zugelassen werden könnte.

Somit habe ich eine Zeit lang parallel die Einstellungstests bei der Feuerwehr absolviert, Vorlesungen in der Wirtschaftsinformatik belegt und mich mit der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel in Verbindung gesetzt. Bereits nach kurzer Zeit stand fest, dass mich der Wirtschaftsteil der Wirtschaftsinformatik nicht annähernd interessiert und diese Option daher für mich nicht in Betracht kommt. Somit blieben nur noch Feuerwehr und Fachhochschule. Jedoch kam ich in diversen Gesprächen, u.a. auch mit meinen Vorgesetzten in der Arbeit und auch meinen Eltern, zu dem Entschluss, dass ich das Studium vermutlich nicht beenden werde, wenn ich bei der Feuerwehr anfangen würde und somit keine Rückfallebene hätte, falls ich aus irgendeinem Grund nach einiger Zeit nicht mehr bei der Feuerwehr arbeiten könnte oder wollte. Andersherum schließt das Studium eine anschließende Ausbildung bei der Feuerwehr nicht aus, sondern könnte eher sogar den Einstieg in den gehobenen Dienst ermöglichen. Dazu kam, dass ich inzwischen die Rückmeldung von der Ostfalia bekommen hatte, dass man mir einen Großteil meiner Leistungen anrechnen könne. Daher war am Ende klar, dass ich erst einmal weiterstudieren werde, wenn auch nicht mehr an der TU Braunschweig. Die Feuerwehr bleibt somit für mich erstmal „nur“ ein Hobby, das mir auch als guter Ausgleich zum Studium dient.

Insgesamt habe ich in dem halben Jahr zwischen dem Fehlschlag der mündlichen Nachprüfung und dem Wechsel an die Ostfalia viel gelernt. Vieles war davon zwar nicht fachlicher Natur, aber dennoch denke ich, dass ich viel für mein zukünftiges Leben lernen konnte. Daher kann ich nur jedem raten, in so einer Situation nicht aufzugeben, sondern nach Alternativen zu suchen und sich auch zu trauen, sich Hilfe zu suchen. Dies ist meiner Meinung nach eher ein Zeichen von Stärke, da man sich bewusst mit der Situation auseinandersetzt und nicht einfach aufgibt.

Außerdem kann ich nur jedem raten, sich generell auch Gedanken über Alternativen zu machen und immer einen Plan B zu haben. Mir wurde das zwar auch schon vor Jahren von meinen Eltern gesagt, aber damals wollte ich darauf nicht hören. Im Nachhinein hätte mir das aber die Situation sicher etwas leichter gemacht, da ich dann nicht erst nach dem Fehlschlag der Prüfung nach anderen  Möglichkeiten hätte suchen müssen. Dass ich durch die Prüfung durchgefallen bin, bedeutete zwar einen kurzen Tiefpunkt, jedoch nicht das Ende, sondern den spannenden Weg zu einem Neuanfang, auf dem man auch viel über sich lernen kann.

  • Marcus schrieb am 4. Juni 2020 um 10:59 Uhr:

    Toller Artikel über das Aufbringen von Mut und über das positive, optimistische Betrachten der Optionen für einen gelingenden Neuanfang! Klasse!

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