18. Februar 2020 | | 0 Kommentare

Timo: „Es ist nie zu spät“ Sotftwareentwickler bei der Volkswagen AG, AutoUni

Obwohl ich anfangs Feuer und Flamme für mein Chemie-Studium war, stellte sich jedoch schnell heraus, dass ich mir etwas völlig Anderes vorstellte als an einer Uni zu lernen. Überfüllte Bibliotheken, volle stickige Hörsäle und eine gefühlte Distanz bzw. Desinteresse seitens vieler Dozenten.

Ich gelte als begeisterungsfähig und motiviert sobald ich ein Thema für mich gefunden habe, aber das Konzept widersprach einfach meiner Natur. Ich wollte mitwirken, etwas schaffen und forschen. Einzig und allein in den Praktikas im Labor spürte ich etwas von meiner Anfangseuphorie. Ich holte mir Meinungen und Erfahrungsberichte von bereits ausgelernten Chemikern. Mich interessierte vor allem, was für sie die größten (negativen) Überraschungen beim Jobeinstieg gewesen waren, um für mich zu gucken, ob ich das auf Kosten eines langweiligen Studiums nun durchziehe oder nicht.

Es kam der Punkt an dem ich mich entscheiden musste. Ich wurde Vater und arbeitete neben dem Studium noch in einer chemischen Fabrik. Das Arbeiten dort war für mich spannender als mein Studium und so entschied ich mich es abzubrechen, egal was alle Menschen um mich herum dazu sagen würden. Am Ende musste ich damit glücklich werden und nicht meine Eltern, Freunde oder meine Partnerin. Meine Ansicht ist da ganz klar, nur mit Leidenschaft wird man dauerhaft gut und vor allem glücklich in dem was man macht.

Da stand ich, hatte meine Entscheidung für mich getroffen, aber sie noch niemanden mitgeteilt. Ich wollte erst einen Plan haben, bevor ich diesen Weg gehe. Also machte ich mich im Internet schlau und traf eben auch auf „Wegbereiter“. Ich las mir Blogeinträge durch. Es half mir weitere Ansichten und Bestätigung in meiner Entscheidung zu finden. Ein Studium abzubrechen ist keine Schande und ich würde es wieder so machen.

Timo Bildnachweis: Fakultät 73, Volkswagen AG/TU Braunschweig

Ich arbeitete danach für knapp 2 Jahre in einer chemischen Fabrik als Zeitarbeiter. Zuerst mit einfachsten Aufgaben bis mir dann das Überwachen einer Anlage mit Montagerobotern anvertraut wurde. Es ging darum sie zu warten, zu überwachen und Fehler schnell zu erkennen und zu analysieren. Es machte mir Spaß, viel Neues zu lernen und seinen Kopf aktiv in den Job einzubringen.

Freunde fragten öfter mal, ob ich da nicht abstumpfen würde und dass ich doch mehr könne. Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich aber eigentlich recht angekommen. Ich hatte tolle Kollegen und wenn Stress war, sagte ich mir „es gehört dazu“. Alles änderte sich, als ich meinem besten Freund bei seinem Umzug half. Er ist Informatikstudent und schreibt an seiner Masterarbeit und arbeitete nebenbei bei Volkswagen in der IT-City. Sein Bruder, der ebenfalls bei VW vor kurzem anfing erzählte mir auf der Fahrt von einem Pilotprogramm, welches bald starten sollte. Gleichzeitig stand bei mir die Frage im Raum, ob ich einen Vertrag bei meinem Einsatzort unterschreiben würde. Er meinte: „Gucks dir mal an, das passt zu dir.“ Und erzählte mir von der „Fakultät73“. Während des Umzugs erzählte mir mein bester Freund dann selbst auch nochmal davon. Ich schrieb mir den Namen auf und half erstmal weiter.

Zu Hause informierte ich mich dann und guckte, worum genau es sich handelte. Es klang interessant und fair. Ich wurde bei Bewerbungen bereits schon öfter aufgrund meines Alters abgelehnt, nicht wegen meiner Leistung. Bei dem Projekt sollte das alles unrelevant sein. Wer passt und die Tests besteht, hat eine Chance unabhängig vom Background und das in einem so gefragten Feld mit Aussicht auf einen Festvertrag bei einem gefragten Arbeitgeber. Um es kurz zu machen, ich war von der Idee des Projektes begeistert, versuchte aber meine Euphorie zu bremsen und erzählte erstmal nichts davon, bis dann die Zusage kam.

Seitdem bin ich begeistert dabei. Ich arbeite freiwillig zu Hause weiter, um eigene Programmideen zu verwirklichen und fahre jeden Tag gerne zur „Arbeit“. Sobald man ein Problem hat, kann man immer fragen, viele können und möchten einem helfen. Die Atmosphäre ist locker und meist entspannt. Zur Prüfungszeit wird es zwar mal etwas ernster, aber das ist zu verstehen. Wir sind eine bunt gemischte Truppe, eine Alterspanne von über 20 Jahren Differenz, unterschiedlichste Werdegänge und Charaktere. Es macht einfach Spaß und die Zukunftsaussichten sind vielversprechend.

Wer sich fürs Programmieren begeistern kann und sich an einer Uni nicht wohl fühlt, sollte definitiv darüber nachdenken, ob die „Fakultät 73“ nicht ein besserer Weg für ihn wäre.

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