17. Dezember 2019 | | 0 Kommentare

Review: Alternative Karrierewege für Lehramtstudierende Rückblick auf eine Informationsveranstaltung

„Sie haben zwei Alternativen: Sie können Lehrer werden –  oder nicht“. So fasste Dorothea Behrens, Arbeitsvermittlerin der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar leicht ironisch zusammen. Vor diesem Dilemma standen die ca. 100 Zuhörer*innen der Informationsveranstaltung, die am vergangenen Donnerstag, dem 12.12.2019, im BIZ in Braunschweig stattfand.  Die Wegbereiter, welche Studienzweifelnde und -abbrechende in der Zentralen Studienberatung an der TU Braunschweig beraten, hatten das Format zusammen mit den Studiengangskoordinator*innen Esther Heldt und Sina Patzke der Fakultät 6 für Geistes- und Erziehungswissenschaften initiiert. Mit Kurzvorträgen zum Hintergrund von Studienzweifeln Lehramtsstudierender eröffneten sie die Veranstaltung.

Referent*innen
Referent*innen und Moderatorin Johanna Kuchling-Pietrek Bildnachweis: privat/TU Braunschweig

 

 

So brechen ca. 15% der Bachelorstudierenden im Lehramt ihr Studium vorzeitig ab, im Master sind es erneut 14%. Dass dies nicht sein muss, wurde schon an der Übersicht zur Ausbildung deutlich: Mit dem Bachelor oder Master erlangen nämlich alle Absolvent*innen auch ohne Referendariat einen berufsqualifizierenden Abschluss. Dass Sie damit auf dem Arbeitsmarkt gefragte Fachkräfte sind, wurde im Laufe der Veranstaltung mehrfach deutlich, nicht zuletzt im überblicksartigen Vortrag von Dorothea Behrens zum möglichen Vorgehen bei der Suche nach Berufsalternativen und dem Herausarbeiten eines Berufsbildes. Unerlässlich sei vor allem eine Bereitschaft zum Querdenken, wo die eigenen Fähigkeiten besonders gut einsetzbar seien, so Behrens.

Diese Leistung hatten die vier eingeladenen Referent*innen bereits erbracht. Alle arbeiten zurzeit außerhalb des Lehramts in unterschiedlichen Bereichen.

  • Elisa D.  ist seit ihrem Masterabschluss vor etwas über einem Jahr Scrum-Master in einem Braunschweiger IT-Unternehmen und trägt dort dazu bei, dass Teams gut arbeiten können. Dass sie bei der Büroarbeit in besonderem Maße auch permanent mit Menschen zu tun habe, war ihr erst im Praktikum klar geworden und habe sie letztlich zu ihrer Entscheidung gebracht, sich direkt in der freien Wirtschaft zu bewerben. Auf diesem Weg hatte ihr die Beratung des Projekts „Wegbereiter“, heute in der Zentralen Studienberatung (ZSB) der TU Braunschweig angesiedelt, maßgeblich geholfen. Dort konnte Sie ihre Möglichkeiten offen und ohne Rechtfertigungsdruck reflektieren und wurde an weitere Beratungsstellen verwiesen, darunter die Berufsberatung der Agentur für Arbeit und der Career Service der TU Braunschweig, welche beide ebenfalls im Publikum der Veranstaltung vertreten waren und den Interessierten als mögliche Ansprechpartner*innen vorgestellt werden konnten.
  • Dass Rechtfertigungsdruck und familiäre Wünsche die eigene Entscheidung maßgeblich leiten oder beeinflussen, wurde neben den Wortmeldungen aus dem Publikum auch in Nicole B.s Darstellung herausgearbeitet. Dass es ihr gelang sich von den Vorstellungen zugunsten einer eigenen Entscheidung zu lösen, verdankte sie vor allem ihren Freunden und ihrer schon während des Studiums gesammelten Berufserfahrung, durch die sie sich ihrer Kompetenzen sehr bewusst war – heute hat sie sich entschieden, doch noch das Referendariat ab Januar 2020 anzutreten, weil der Wunsch, Inhalte an Schüler*innen zu vermitteln, wieder stärker geworden ist.

In der zweiten Diskussionsrunde sprachen Susann He. und Andreas Ha. über ihre Arbeit in der Berufs- und Karriereorientierung:

  • He. arbeitet seit mehreren Jahren in der ZSB der TU Braunschweig und verantwortet dort derzeit die Konzeption des Orientierungsstudiums, in welchem unentschlossene Studieninteressierte reflektieren können, ob ein Studium überhaupt das Richtige für sie ist und welches im Besonderen.
  • Ha. ist nach verschiedenen Stationen, u.a. im Journalismus, heute selbstständig mit seiner Coaching-Agentur Sinnort, wo er wiederum mit Arbeitnehmer*innen zu tun hat, die sich beruflich nochmal neu orientieren möchten. Aktiv zu bleiben und in einen gestaltende Rolle zu kommen, sei aus seiner Sicht besonders wichtig für Studienzweifelnde – und sich die Zeit für eine Revidierung der eigenen Entscheidung im Ausloten anderer Möglichkeiten zu nehmen. Diese Möglichkeit besteht ja beispielsweise nach dem Bachelor, bevor ein Master angetreten wird, so dass man nicht in der Doppelbelastung Studium-Arbeit stecken muss. Es gab also genug Impulse für neue Entscheidungen im neuen Jahr.

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