15. Oktober 2019 | | 0 Kommentare

Nhu Quynh: „Hauptsache studieren!?“ Nhu Quynh, Ausbildung zur Chemisch-Technischen-Assistenten (CTA), zuvor Bachelor Maschinenbau, TU Braunschweig

Ich wollte nie akzeptieren, dass ich Probleme im Maschinenbau-Studium hatte. Der Spaß am Studieren war nicht mehr da, und das zeigte sich auch beim Lernen und bei meinen Noten. Dennoch wollte ich unbedingt glauben, dass ich das Studium schaffen könnte. Das Problem war, dass dieser Wunsch nicht für mich war. Ich bin aufgewachsen in einer Nicht-Akademiker-Familie. Meine Eltern sind nach Deutschland ausgewandert und müssen für ihre Existenzsicherung schwer schuften. Hier erwarteten sie eine bessere Zukunft für uns Kinder (ich habe noch eine Schwester). Hätte ich mich für einen Fachwechsel entschieden, hätte ich viel früher mein Studium aufgegeben. Das Problem war aber, dass ich schlicht nicht (weiter-)studieren wollte.

Wenn du Abitur hast, erwartet man meist, dass du studierst. Vor allem meine Eltern erwarteten das von mir. „Hauptsache studieren“, damit du nicht so wirst wie sie. Maschinenbau wählte ich schlicht… wegen des Geldes und weil es Naturwissenschaften (meine Lieblingsfächer in der Schule) beinhaltet. Trotz meines Maschinenbau-Studiums hatte ich einen Hiwi-Job im Labor und bin auf die Ausbildung des Chemielaboranten aufmerksam geworden.

Ich habe letztlich 5 Semester lang mich nicht getraut abzubrechen, weil ich Angst hatte und nicht wusste was ich machen sollte. Als ich wusste, dass ich die Ausbildung machen wollte, war ich erleichtert einen Weg gefunden zu haben weiterzumachen, doch auch da hielt mich die Angst fest. Es gab die schulische Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin als Alternative, aber sie kostet halt wieder Geld.

Nhu Bildnachweis: privat/TU Braunschweig
Nhu Bildnachweis: privat/TU Braunschweig

Nun… ich hatte kein Bafög mehr, die Chance auf einen Ausbildungsplatz ist gering und meine Eltern sagen mir ausdrücklich, dass ich keine Ausbildung machen DARF. Was mache ich?

Ich bin im Internet schnell auf das Angebot „Wegbereiter” gekommen. Zuerst erwartete ich eine schlichte Unterhaltung per Mail und Ratschläge, wie ich weitermachen sollte. Das persönliche Treffen hat sich aber gelohnt und hat weitaus meine Erwartungen übertroffen. Ich war zu dieser Zeit in einer Down-Phase, aber der Wegbereiter hat mir nicht nur geholfen, Bewerbungen zu schreiben und seine Connections ausgenutzt, sondern gab mir auch mentalen Support. Es wird die Zeit kommen, wo man schwere Entscheidungen treffen muss. Wirst du dich anderen beugen und das machen, was andere von dir erwarten oder anfangen das zu machen, was du willst? Schließlich musst du am Ende glücklich sein mit deinen Entscheidungen.

Jetzt mache ich eine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin in der Nähe meiner Heimatstadt. Dafür musste ich wieder bei meinen Eltern einziehen, da es für mich unmöglich war, für die eigene Wohnung und für das Schulgeld aufzukommen. Wie ich befürchtet hatte, habe ich leider keinen Ausbildungsplatz als Chemielaborant gefunden. Die Konkurrenz war zu hoch. Meine Eltern prahlen jetzt nicht mehr mit meinem Studium vor meinen Verwandten, leider eher das Gegenteil. Sie werden wohl nie aufhören, auf die Ausbildung runterzuschauen, aber sie versuchen wenigstens nicht mehr, mir einzureden studieren zu gehen. Die Schule ist übrigens prima, ich liebe meine Klasse, und da sind überraschend viele Ex-Studenten und Abiturienten. Im Gegensatz zur Chemielaborantenausbildung wird man leider nicht vergütet, aber dafür ist man statt in 3,5 Jahre in 2 Jahren fertig. Ich muss für das Schulgeld arbeiten gehen, aber ich bin froh, etwas zu machen, wofür ich arbeiten will.

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