10. Dezember 2019 | | 0 Kommentare

Lydia: „Wenn Sie sich nicht sicher sind, können die Ihnen vielleicht helfen“ Lydia, jetzt im Master Umweltingenieurwesen, TU Braunschweig

Herr Geerken in meiner Fakultät schob mir augenzwinkernd einen kleinen bunten Flyer über den Tresen: „Wenn Sie sich nicht sicher sind, können die ihnen vielleicht helfen“. Nach meiner Bachelorarbeit hatte ich einerseits einfach erst mal genug vom Studieren, andererseits hatte ich aufgrund meiner persönlichen Situation finanzielle Probleme und zu arbeiten schien mir angesichts dessen sinnvoller, als noch einen Master draufzusetzen. Ich war eine Zeit lang ziemlich desorientiert und habe alle möglichen Beratungsstellen der Uni abgeklappert – die Wegbereiter waren eine davon.

Lydia Bildnachweis: Privat/TU Braunschweig

Auch wenn mir dort niemand die Frage „weiter studieren oder arbeiten – was soll ich machen“ wirklich beantworten konnte, habe ich das Gefühl gehabt, die Entscheidung nicht ganz alleine fällen zu müssen. Manchmal hilft es ja schon, mit jemandem über solche Zweifel laut zu sprechen, der völlig außerhalb des sonstigen Freundeskreises angesiedelt ist – und zudem noch eine entsprechende Ausbildung hat. Mir wurden sogar konkrete Unternehmen genannt, bei denen ich mich hätte bewerben können, mein Lebenslauf wurde rumgeschickt, und ich wurde auf weitere mögliche Beratungsstellen an der Uni aufmerksam gemacht, die mir später auch weitergeholfen haben. Zum Beispiel die psychotherapeutische Beratungsstelle oder auch die Sozialberatung, bei der ich mir Tipps bezüglich einer möglichen Finanzierung des Masters geholt habe. Kurz darauf hatte ich einen Studienkredit mit sehr niedrigen Zinsen – das hat wirklich geholfen, eine sehr schwierige Zeit zu überbrücken.

Insgesamt war ich aber froh, dass es so viele unterschiedliche, kostenlose Beratungsstellen an der Uni gibt und würde jeder/m empfehlen, diese auch wahrzunehmen, wenn Bedarf besteht. Vieles weiß man ja zunächst einfach nicht und kommt nicht darauf, was man beachten sollte. Gerade in Phasen, in denen man sich irgendwie überfordert fühlt, aus welchem Grund auch immer, können diese Beratungsstellen helfen, rationale Entscheidungen zu treffen.

Abschließend bin ich mit der Entscheidung, den Master doch noch zu machen, sehr zufrieden. Ich glaube, wenn ich ihn nicht direkt gemacht hätte, sondern erst mal gearbeitet hätte, wäre ich später nicht mehr an die Uni zurückgekommen, weil Umweltingenieurwesen schon mein zweites Studium ist. Wie sich meine Jobchancen gestalten werden kann ich zwar nicht sagen, aber ich werde es auf keinen Fall bereuen, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Auch wenn es am Anfang viele Herausforderungen in unterschiedlichen Bereichen mit sich gebracht hat – vor allem finanziell -, habe ich eine Menge in der Übergangszeit gelernt. Ich habe wirklich für meine Rechte gekämpft und bin daran gewachsen. Es war keine einfache Zeit, aber am Ende bin ich gestärkt daraus hervor gegangen und weiß, wozu ich in der Lage bin, wenn es darauf ankommt. Am wichtigsten ist es glaube ich, nicht alles für sich zu behalten. Sich anderen gegenüber öffnen, nach Hilfe fragen, einfach mit Menschen darüber sprechen – das ist es, was mir am Ende am meisten geholfen hat.

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