18. Juni 2020 | , | 0 Kommentare

Katharina: „Ich habe mich von Anfang an aufgehoben gefühlt“ Studium Umweltingenieurwesen im Bachelor, TU Braunschweig, zuvor Bauingenieurwesen

Bereits während des Studiums hatte ich oft mit Stress zu kämpfen, doch in den letzten Zügen meines Studiums plagten mich Unsicherheit sowie eine unerträgliche Anspannung. Meine Gedanken kreisten nur noch um die Prüfung, die ich im dritten Versuch schrieb, und dies empfand ich als extreme Belastung. Schließlich erhielt ich die Nachricht, dass ich auch diesen Versuch nicht bestanden habe, und ich sah mich mit einer mündlichen Ergänzungsprüfung konfrontiert. Scheinbar gut vorbereitet auf die Nachprüfung kam alles ganz anders. Am Ende der Prüfung wurde mir mitgeteilt, dass ich im Studiengang endgültig gescheitert sei und das Studium nicht mehr fortsetzen könne. Zudem erhielt ich Hinweise, an wen ich mich fortan wenden sollte, um erstmal weiterstudieren zu können.

Entgegen meiner Erwartung verspürte ich, nachdem ich das Gebäude verlassen hatte, eine Erleichterung, obwohl ich ein emotionaler Mensch bin. Langsam kam jedoch gleichzeitig eine innere Leere in mir auf und das Gefühl, dass alles umsonst gewesen sei. Kurz darauf wich die Erleichterung der Ungewissheit und ich suchte, wie mir geraten worden war, die Geschäftsstelle der Fakultät auf. Dort schrieb ich mich zunächst in den artverwandten Studiengang Umweltingenieurwesen ein, um vorerst den Studentenstatus aufrechterhalten und ein Orientierungssemester absolvieren zu können. Des Weiteren wurde ich an weitere Hilfestellen verwiesen, insbesondere an die Wegbereiter in der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig. Sofort nahm ich als erstes Kontakt zu den Wegbereitern auf, da sie mir besonders empfohlen wurden. Im ersten Gespräch mit den Wegbereitern wurde ausgelotet, wohin der Weg führen könnte. Infrage kamen für mich eine Ausbildung oder weiterstudieren im Studiengang Umweltingenieurwesen. Trotz des Studienabbruchs hatte mein technisches Interesse weiterhin Bestand und ich wollte am liebsten in diesem Bereich verbleiben. Da einige Veranstaltungen aus meinem alten Studiengang auch in Umweltingenieurwesen Teil des Studiums sind, würde ich mir zudem einiges anrechnen lassen können, wenn ich mich dafür entscheiden sollte. Insgesamt habe ich mich von Anfang an wohl und aufgehoben gefühlt bei den Wegbereitern. Außerdem wurde ich hilfsbereit empfangen wie noch nie in meinem Leben. Sie hören zu und zeigen Verständnis, lindern Ängste und Sorgen und zeigen neue Wege und Möglichkeiten auf. Vor allem habe ich gelernt, dass ein Studienabbruch kein Beinbruch ist und es immer Auswege gibt. Ferner waren meine Angst vor Scham und Ablehnung vollkommen unbegründet.

Neben den Wegbereitern wurde ich noch von einigen anderen Beratungsstellen das ganze Semester über begleitet. Unter anderem wurde ich beim Career Service der TU Braunschweig dazu angeregt, persönliche Gespräche mit Menschen aus den jeweiligen Berufsgruppen zu führen, um Eindrücke und vor allem Ansichten und Meinungen zu gewinnen. Diese Einblicke in den Berufsalltag sollten maßgeblich bei der Entscheidungsfindung helfen. Neben dem Gespräch beim Career Service absolvierte ich einen Potenzialanalysetest mit anschließendem Auswertungsgespräch, beides kostenfrei angeboten mit Unterstützung durch den Rotary Club Braunschweig Hanse. Bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Ostniedersachsen wurde meine persönliche Situation noch stärker angeschaut, um die Hintergründe des Studienabbruchs zu ergründen. Vor allem das Thema bestehende Unsicherheiten, die ich verspürt habe und die mich auch zukünftig einschränken würden, konnte somit angegangen werden.

Bildnachweis: privat
Bildnachweis: privat

Die Wegbereiter sind hervorragend vernetzt und stellen auf Wunsch sogar Kontakt zu anderen Beratungsstellen, Ansprechpartner usw. her. Hierbei habe ich zahlreiche vertrauliche und verständnisvolle Gespräche geführt und außergewöhnlich viele neue Menschen kennengelernt. In den Gesprächen wurde ich stets unterstützt, ermutigt und motiviert. Nicht zuletzt habe ich viel Empathie erfahren. Überdies konnte ich mich regelmäßig mit den Wegbereitern über den Stand der Dinge austauschen. All dies führte mich schlussendlich zu der Entscheidung, Umweltingenieurwesen weiter zu studieren.

Zu guter Letzt bleibt der Dank an die Wegbereiter und den vielen weiteren Beratungsstellen für die Begleitung und den Rückhalt während meines gesamten Orientierungssemesters. Die Erfahrungen, die ich sammeln konnte und die neuen Kontakte werde ich für die Zukunft zu nutzen und zu schätzen wissen.

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