5. Mai 2020 | | 0 Kommentare

Alex: „Studienabbruch – eine neue Chance!“ Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, vorher Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau an der TU Braunschweig

STUDIENABBRUCH. Allein der Gedanke ließ Schweißperlen auf meiner Stirn aufblitzen.
Nie hätte ich gedacht, dass es soweit kommt.
Studieren nach dem Abitur? Selbstverständlich!
Was für ein Fach? – Egal!
Mit dieser Denkweise und Altlasten aus dem Abi fiel ich im Studium ziemlich schnell auf die Nase.
„Das nächste Semester wird endlich meins!“, belog ich mich jedes Semesterende selbst.

Mir wurde irgendwann klar, dass der Wirtschaftsingenieur Maschinenbau nicht meins ist. Ob ich nicht vielleicht doch das Fach wechseln oder gar eine Ausbildung angehen sollte, kam bei meiner Familie zunächst gar nicht gut an, und die Studienfreunde wollte ich auch nicht so schnell missen. So zog ich die Lüge weiter Semester für Semester durch, und es wurde mir irgendwann peinlich, meine Semesterzahl zu nennen.

Per Zufall habe ich dann von den Wegbereitern in der Zeitung gelesen (jepp – in der Zeitung). Ist ja nur ein kleines Klärungsgespräch, dachte ich damals. Etwas muss passieren und irgendwie der zementierte Status quo verändert werden. So klein fiel das Gespräch jedoch dann nicht aus: Endlich konnte ich meine gesamte Situation angstfrei besprechen, ohne einen schiefen Blick zugeworfen zu bekommen. Nachdem die Lage mit ihren verschiedenen Dimensionen erfasst wurde, ging es an die gemeinsame Entwicklung und Prüfung aller Optionen: Das Studium vielleicht doch weitermachen? Das Fach wechseln? Oder doch lieber eine Ausbildung beginnen? Was spricht dafür, was dagegen? Wann möchte ich endlich arbeiten? Fragen über Fragen. Durch die professionelle Beratung ist mir erst klar geworden, dass ich während des Studiums noch genauso ratlos wie nach dem Abi war. Schritt für Schritt wurden in weiterführenden Terminen und Tests meine Stärken und Schwächen erkannt und wie ich sie in eine Arbeit bündeln kann, die mir gefällt.

Aus Ratlosigkeit wurde Entschlossenheit. Von Tag zu Tag kam ich mit mir selbst und schließlich mit Familien und Freunden ins Reine: Ein Studienabbruch ist nicht das Ende der Welt, sondern eine neue Chance. Die Lüge löste sich allmählich auf, und das war ein erfrischendes, schönes Gefühl.

Sonnenaufgang durch das verschwommene Fenster gesehen

Bildnachweis: privat

Dank der Bewerbungstipps und unterschiedlichen Vorschläge der Wegbereiter habe ich schließlich jedoch auf eigene Initiative hin eine Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung gefunden, aufgrund meiner mäßigen Abi-Note aber nicht meine Wunschstelle. Dafür begann ich parallel zur Ausbildung schließlich nochmal ein Onlinestudium Medieninformatik an der Ostfalia, um mir diesen Wunsch doch irgendwann erfüllen zu können.

Über die Wegbereiter hatte ich schon vor Ausbildungsbeginn die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar aufgesucht und habe dorthin den Kontakt aufrechterhalten. Durch die Agentur für Arbeit bekam ich ein zusätzliches Bewerbungscoaching, denn ich wollte es weiterhin bei meiner Wunschstelle probieren. Nach einer langen, steinigen Bewerbungsphase konnte ich der Zusage-Mail nicht glauben und fragte zunächst meinen Bruder, ob das wirklich eine Zusage sei. Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich bereits zwei Monate bei meinem Wunsch-Arbeitgeber in der Ausbildung zum Anwendungsentwickler und ich hätte nie gedacht, dass man über die eigene Arbeit und das Lernen dort sagen kann: „Das macht mir Spaß!“

So habe ich mich innerhalb eines langen Prozesses, der über ein Jahr andauerte, zunächst beraten lassen, zum Studienabbruch entschieden, weiteres Coaching wahrgenommen, exmatrikuliert, eine Ausbildung begonnen, immatrikuliert, die Ausbildung abgebrochen, exmatrikuliert und die Ausbildung in einer anderen Firma wieder aufgenommen. Klingt stressig. War es auch. Aber wenn ich das Ergebnis betrachte, war es das wert.

Ob ich mein abschlussloses Studium bereue? Nein. Dafür sind Fehler schließlich da: Man muss zu ihnen stehen und aus ihnen lernen. Außerdem habe ich viel wertvolle Erfahrung für den Arbeitsalltag, Organisationtalent und Programmierung durch diverse Praktika, Hiwi-Jobs und Fächer im Studium mitnehmen können. Mit dieser Erfahrung konnte ich meine neue Stelle bestens vorbereitet starten. Es sind viele schöne Erinnerungen, Freunde und ein Reifeprozess mit dem Studium verbunden, der mich mit Freude auf jeden nächsten Tag schauen lässt.

Diese Freude habe ich auch dank der Wegbereiter entdeckt und bedanke mich hier nochmal bei allen, besonders Johanna, ganz herzlichst.

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